Pendlerin zwischen Theater und Medizin (Hamburger Abendblatt, 2.12.2011)

von Miriam Oprenik

Schon als junges Mädchen war sie von der Bühne fasziniert. Was die Ärztin Ana-Maria Bamberger so besonders macht - und warum sie Autorin wurde

HAMBURG. Wow! Diese Frau macht sprachlos. Weil sie einzigartig ist, aber nicht eingebildet. Erfolgreich, aber nicht eitel; aufgeschlossen, aber nicht aufdringlich; intelligent, aber nicht abgehoben. Ana-Maria Bamberger ist besonders - auch wenn sie diese Beschreibung bestimmt etwas verlegen macht. Denn am liebsten möchte sie nicht über sich sprechen, sondern über ihre Arbeit. Ihre Arbeit als Medizinerin - und Theaterautorin. Eine Mischung, die so ungewöhnlich ist wie die Vita von Ana-Maria Bamberger: Sie wurde 1966 in Bukarest geboren, wuchs zweisprachig auf, studierte Medizin, arbeitete dann in den USA sowie am Universitätsklinikum Eppendorf und wurde zunächst durch Publikationen zur medizinischen Forschung bekannt. So steht es auf ihrer Homepage.

Was dort nicht steht: dass sie schon als junges Mädchen von der Bühne fasziniert war. Dass es für sie Anfang der 80er-Jahre die einzige intelligente Form des Widerstands gegen die Diktatur war, in der sie lebte. Und dass sie damals schon den Wunsch hatte, ans Theater zu gehen. Nicht als Schauspielerin, aber als Regisseurin oder Autorin. Trotzdem entschied sie sich auf Anraten ihrer Eltern, zweier Bauingenieure, und nach dem Besuch einer Vorlesung an der Uni für die Medizin. "Aus wissenschaftlicher Neugier", wie sie sagt. Das Verlangen, anderen zu helfen, sei erst später gekommen und wird ihr immer wichtiger. Deswegen erforscht sie am UKE nicht nur die "zelluläre Invasion", das heißt: Tumorwachstum, sondern arbeitet auch als psychologischer Coach am PräventionsCentrum, berät Menschen bei Sinnfragen, in der Burn-out-Prävention oder beim Zeitmanagement. Sie hat großen Respekt vor der Zeit. Weil es die wichtigste Ressource des Menschen ist - und weil sie weiß, wie schnell die eigene Lebenszeit vorbei sein kann. Das musste sie bei der Geburt ihrer Tochter Alexandra vor elf Jahren erleben, als plötzlich ihre Atmung aussetzte. Ein Moment, in dem alles in der Schwebe war. Ein Moment zwischen hier und dort. Ein Moment voller Erkenntnis: "Wenn mein Leben jetzt zu Ende ist, was hätte dann gefehlt?", hat sie sich gefragt, und im selben Moment die Antwort gewusst: "Das Theater und das Schreiben."

Wow! Diese Geschichte macht sprachlos. Weil sie authentisch ist, aber nicht aufgesetzt. Weil sie berührt, aber nicht behelligt. Und weil sie das Leben von Ana-Maria Bamberger verändert hat. Verändert, verbessert, vollendet. "Die Medizin ist meine gesetzliche Ehefrau, die Literatur meine Geliebte", hat sie einmal den Arzt und Autor Anton Tschechow zitiert, ohne jedoch das eine auf- oder abwerten zu wollen. "Die Medizin und das Theater sind gleich wichtig. Ich bin froh, dass ich beide Teile habe und in beiden arbeiten darf." Wie sie das schafft? Indem sie die Zeit nutzt, wie sie sagt. Die Zeit abends in Hotelzimmern auf Tagungen, die Zeit im Urlaub, Zeit zu Weihnachten. "Ich trage ein Stück lange mit mir herum, bis ich es komplett vor Augen habe und dann einfach herunterschreibe." Obwohl "herunterschreiben" ein bisschen zu banal für die Stücke von Ana-Maria Bamberger klingt. Denn ihr geht es nicht um reine Unterhaltung, sondern "um eine psychologische Ebene und eine tiefere Wahrheit". So wie bei "Blind Date", das jüngst im Kontraste-Theater am Winterhuder Fährhaus lief, und in dem die ehrgeizige Frau Professor S. einen Teufelspakt à la "Faust" mit dem dubiosen Herrn M. schließt.

Wenn Ana-Maria Bamberger über ihre Arbeit spricht, erzählt sie am liebsten von ihrem ersten Stück "Im November", das sie ihrem Idol Olga Tudorache auf den Leib geschrieben hat - aber nie damit rechnete, dass diese es zur Kenntnis nimmt. Bis die Grande Dame des rumänischen Theaters wenige Tage später nachts bei ihr anrief: "Wie denken Sie sich das eigentlich? Sie setzen zwischen den ersten und zweiten Akt keine Pause, wie soll ich mich da umziehen?" Ana-Maria Bamberger arbeitete die Pause ein und die Tudorache spielte ihr Stück - und forderte mehr Stoff. Sachen wie diese sind schon oft über Ana-Maria Bamberger geschrieben worden. Andere noch nicht. Dass sie in New York mit ihrem Mann immer Schlittschuh gelaufen ist. Dass ihre Tochter Alexandra das Cover für eins ihrer Bücher gemalt hat. Oder dass sie das Schnurren von Katzen therapeutisch findet und immer am liebsten mit ihrer Katze auf dem Schoß gelesen hat - bis diese sich bei einem Besuch in Rumänien bei ihren Eltern in deren Kater "verliebt" hat und dort geblieben ist. Nein, so etwas wird selten geschrieben. Vielleicht weil diese Frau immer wieder ein bisschen sprachlos macht.

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Die Rolle Ihres Lebens (Welt am Sonntag, 14.3.2010)

von Paul Barz

Ana-Maria Bamberger ist Ärztin. Nebenbei aber schreibt sie fürs Theater. Ihr Stück "Belvedere" hat jetzt in Hamburg Premiere

Man kann mit seinen Nöten, Konflikten, Partnerschaftssorgen zu Ana-Maria Bamberger kommen. Die Ärztin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) hört zu, gibt Rat, versteht sich dabei weniger als Psychiaterin, denn als Seelen-Coach. Meist aber ist sie am Mikroskop zu finden, denn die Zellforschung ist die eigentliche Leidenschaft der aus Rumänien stammenden Medizinerin.

Überdies schreibt sie Theaterstücke. Eines davon, "Belvedere", kann man ab 27. März im "Kontraste"-Programm der Komödie Winterhuder Fährhaus sehen. Es ist die Geschichte eines in seine Träume und Fantasien eingewickelten Stückeschreibers, der in einem Nervensanatorium die Nägel kauende Frau Seelendoktor ziemlich fertig macht. Das hört sich stark autobiografisch an, und Ana-Maria Bamberger nickt: "Ein bisschen vielleicht." Die junge, schlanke Frau sieht in den nachmittäglichen Betrieb eines Eppendorfer Cafés hinaus. Die Kaffeemaschine zischt, ein Hund kläfft. Kein idealer Treffpunkt, etwas lärmig, aber sie hat das so gewollt. Jetzt nippt sie am Kaffee. Nein, sagt sie und zeigt ihr warmes Lächeln, es sei nicht etwa so, dass jeder Patient gleich auch Sujet für ein Theaterstück sein könne. Da unterscheide sie schon recht genau zwischen der Seelenärztin und der Seelenbeschreiberin.

Erst einmal war die Ärztin da, noch im heimatlichen Bukarest, wo sie zweisprachig aufwuchs. Ein Stipendium führte sie nach Kiel, ein anderes in die USA. Danach ging es nach Hamburg mit Ehemann Christoph M. Bamberger, Arzt am UKE wie sie. Aber "zu Hause sprechen wir mehr übers Theater". Das war schon mit 14 ihre Leidenschaft. Das Leben unter Ceauçescu war schwer, doch fürs rumänische Theater war es eine große Zeit. Es diente als Ventil für alle diktatorischen Zwänge. Wenn in Bulgakovs "Meister und Margarita" der Jesus-Darsteller sagte, "Es werden Zeiten kommen, da regiert die Wahrheit dieses Land", da "gab es zehn Minuten lang stehenden Beifall".

Ana-Maria Bamberger stand häufig nach der Vorstellung vor der Bühnentür und wartete auf ihr großes Idol Olga Tudorache, in Rumänien gefeiert wie einst in Deutschland Elisabeth Flickenschildt und Will Quadflieg zusammen: Für diese Frau einmal eine Rolle schreiben ... Das brauchte noch ein paar Jahre, zunächst kamen das Medizinstudium, der Wechsel nach Deutschland, eine schwere Krise, bei der ihr klar wurde: Meinem Leben fehlt die eine Hälfte. Das war das Theater. Und sie schrieb ihr erstes Stück mit dem Titel "Im November", schickte es, vom Ehemann liebevoll geschubst, an die Tudorache. Ana-Maria Bamberger rechnete nicht damit, dass sie es liest, "geschweige denn, dass sie antwortet". Bis das Telefon schrillte, so gegen Mitternacht. Ein rauchiger Damenbass tönte: "Wie denken Sie sich das eigentlich, liebes Kind? Sie setzen zwischen den ersten und zweiten Akt keine Pause, wie soll ich mich da umziehen?" Die Tudorache spielte ihr Stück und gleich noch zwei weitere dazu, immer vor vollem Haus, "aber das liegt an der Tudorache, nicht an meinen Stücken", wehrt die Autorin bescheiden ab.

Obwohl diese Stücke attraktiv genug sind. Kleine Kammer-Seelenspiele mit tollen Rollen. In Rumänien mag man es so. In Deutschland hat man Schwierigkeiten mit "In-Between-Plays", die so ganz weder das eine noch das andere sind, nicht Boulevard, nicht hochgestochene Literatur. Aber allmählich setzen sich auch hierzulande Bamberger-Stücke durch. Und "Belvedere" ist am Winterhuder Fährhaus gleich auch eine Uraufführung. Heute war Ana-Maria Bamberger ein erstes Mal bei der Probe. Jetzt, beim Kaffee, darf sie erleichtert sein. Regisseur Hartmut Uhlemann arbeite fantasievoll und Hauptdarsteller Lutz Herkenrath sei "einfach ein Traum". Eine Manipulation - mit ihrer Zustimmung - hat es aber gegeben: Der Dichter Anton im Stück ist eigentlich eine Antonia, eine Frau, und der Herr Doktor eine Frau Doktor, "aber so funktioniert es auch". Und in ihr Lächeln tritt ein fast zärtlicher Zug: "So oder so - ich liebe alle meine Gestalten. Und in jeder wohl stecke ich ein wenig selber drin." Weshalb denn auch in ihren Stücken so oft Ärzte auftreten: "Ich kann die Ärztin in der Stückeschreiberin nicht ganz verleugnen." Ebenso wenig wie wohl die einfühlsame Autorin in der Ärztin. Man würde eigentlich ganz gern mal zu ihr ins UKE mit seinen Sorgen und Problemen kommen.

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Ana-Maria Bamberger: Zwei Sprachen - zwei Berufungen (Hamburger Wochenblatt, 11.5.2010)

von Christian Hanke

Sechs Inszenierungen von Ana-Maria Bambergers Stücken sind derzeit in Rumänien zu sehen - und eine Bearbeitung steht in Winterhude auf dem Spielplan. Im Kleinen Saal der „komödie winterhuder fährhaus“ wurde kürzlich „Belvedere“ uraufgeführt und begeistert bejubelt.

Ana-Maria Bamberger ist zweisprachig aufgewachsen. In Bukarest geboren besuchte sie die dortige Deutsche Schule. Heute lebt sie mit Ehemann und neunjähriger Tochter in Rotherbaum. Die charmante Autorin denkt und fühlt aber nicht nur in zwei Sprachen, sie hat auch zwei Berufungen. Als Teenager endeckte sie das Theater. „In den 1980er Jahren hat das Theater Rumänien am Leben erhalten. Hier konnte gesagt werden, was in der Diktatur verboten war. Ich bin tagtäglich ins Theater gegangen. Einige Stücke habe ich zehn, fünfzehn Mal gesehen“, erzählt die Autorin, während ihre lebendigen Augen viel Temperament verraten.

Mit 16 Jahren hatte Ana-Maria Bamberger ein zweites Schlüsselerlebnis. In einem Embriobiologiekurs beobachtete sie, wie sich aus einer Zelle ein Mensch entwickelt. Medizinische Neugier war geweckt worden. Ana-Maria Bamberger studierte, auch von den Eltern angeregt, Medizin. Nach hartem Studium ergatterte sie durch Zufall ein Stipendium für ihre Doktorarbeit in Kiel. Nach Austauschstudium in den USA und Heirat mit einem Mediziner ließ sich Ana-Maria Bamberger 1995 in Hamburg nieder. Zwei Jahre später begann sie am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) zu arbeiten, als Forscherin der Molekularen Gynäkopathologie. Ana-Maria Bamberger versucht herauszubekommen, warum sich Tumorzellen teilen und ihr Umfeld durchdringen. 2002 schrieb sie auf diesem Gebiet ihre Habilitationsschrift.

Seitdem ihre Tochter geboren wurde, schreibt sie auch Theaterstücke. „Da war ich zuhause, hatte Zeit und erinnerte mich an meine Theaterleidenschaft“, erläutert die Mutter, Medizinprofessorin und Autorin. Viel Zeit zum Schreiben braucht Ana-Maria Bamberger aber nicht. „Ich fange erst an zu schreiben, wenn im Kopf alles fertig ist“, erzählt die Autorin. In zwei, drei Tagen steht es dann auf dem Papier. Ihr erstes Stück, „Im November“, schrieb sie einer rumänischen Schauspielerin auf den Leib, die sie seit ihrer Jugend bewundert. Erst traute sich die Debütantin nicht, das Stück ihrem Idol zu schicken. Dann tat sie es doch und Olga Tudorache, die verehrte Schauspieler-Ikone, wollte die Rolle sofort spielen - und noch mehr Rollen von Ana-Maria Bamberger. „Sie hat mich zu meinen nächsten zwei Stücken inspiriert. Derzeit spielt sie drei meiner Stücke vor ständig ausverkauften Haus“, erzählt Ana-Maria Bamberger glücklich.

Auch mit der Uraufführung von „Belvedere“ im Winterhuder Fährhaus ist die nach Zellen forschende Theaterautorin richtig glücklich. „Das war eine ganz fantastische Zusammenarbeit. Die haben mein Stück genau verstanden“, schwärmt Ana-Maria Bamberger. Lutz Herkenrath spielt einen Autoren, der in einer psychiatrischen Klinik mit zwei Frauen konfrontiert wird, deren Realität zunehmend in Frage gestellt wird. Trotz zunehmender Theatererfolge will Ana-Maria Bamberger ihre medizinischen Tätigkeiten nicht aufgeben. „Ich bin nach wie vor glücklich mit der Medizin“, erzählt sie. Kind, Medizin und Theater - das lässt sich unverändert miteinander vereinbaren. Darüberhinaus findet Ana-Maria Bamberger noch Zeit, zu lesen, ins Theater oder mit der ganzen Familie ins Kino zu gehen. Kultur wird bei den Bambergers ganz groß geschrieben - auch beim Nachwuchs. Tochter Alexandra schreibt bereits.

 

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Mit Statussymbolen kann ich nicht viel anfangen (Hamburger Morgenpost 29.4.2010)

Ana-Maria Bamberger (43), Ärztin und Theaterautorin

Drei Gründe, Hamburg zu lieben: Hier lebe ich glücklich mit meinem Mann und meiner neunjährigen Tochter. Das kulturelle Angebot, speziell im Theater, ist toll. Und es ist eine schöne und weltoffene Stadt.

Drei Gründe, Hamburg zu hassen: Hab' ich nicht. Aber Direktflüge nach Bukarest und Athen wären schön.

Hier fühl' ich mich wohl: Im lebendigen Grindelviertel mit Uni, Kammerspielen, Buchläden und Cafés wie dem "Leonar". Als Kinofan gefällt es mir im Abaton und im Cinemaxx. Toll ist auch das Völkerkundemuseum, wo es für Kinder immer wieder viel zu entdecken gibt. Hier schmeckt's mir: In der "Mars-Bar" am Straßenbahnring, in den Restaurants am Grindelhof ("Casa Mia", "Etrusker", "Arkadasch"), in den "Vapianos" (Rothenbaumchaussee und Innenstadt) und im "Cha-Chas" in der Europa-Passage (genial einfache vegetarische Currygerichte, immer mit frischen Zutaten).

Total überschätzt ... ist die Idee, Besitz sei der Schlüssel zum Glück. Mit Statussymbolen kann ich nicht viel anfangen.

Viel besser als ihr Ruf ... sind zum Beispiel das Hamburger Wetter und die angeblich so kühlen Norddeutschen. Viel besser als ihr Bekanntheitsgrad: die "Kontraste"-Reihe im Winterhuder Fährhaus.

Was in Hamburg noch fehlt: Ich würde mir natürlich noch mehr Theater wünschen ... und einen richtig schönen Kinderspielplatz an der Alster.

Was mich glücklich macht: Ein gutes Gespräch; die gelungene Zusammenarbeit mit anderen an einem Projekt; das Gefühl, dass meine Patienten sich durch mich besser fühlen; eine erfolgreiche Premiere.

Was mich ärgert: Leute, die den Wunsch haben, andere zu verletzen; Neid, unfaires Verhalten.

Meine Schwächen: Ungeduld mit mir selbst und mit anderen; manchmal zu viel auf einmal zu wollen.

Meine Stärken: Empathie, Kreativität, Humor; der Glaube, dass es immer eine Lösung gibt.

Daran arbeite ich gerade: Ein Theaterstück (gerade begonnen), ein Roman (fast fertig), zweisprachige Buchausgaben meiner Stücke "Three O'Clock" und "Belvedere", wissenschaftliche Projekte.

Darauf freu' ich mich: Das nächste gute Buch; die nächste Reise zu einem wissenschaftlichen Meeting nach Athen im Mai; laue Sommerabende in einem der Restaurants am Grindelhof.

 

Dramen einer Ärztin ("Menschlich gesehen", Hamburger Abendblatt, 29.3.2010)

von Klaus Witzeling

Sie lebt in zwei Welten. In Rumänien, wo Ana-Maria Bamberger 1966 geboren wurde und aufwuchs, gilt die Ärztin als bekannte moderne Dramatikerin. In der zweiten Heimat Hamburg hat die Autorin als Krebsforscherin Karriere am Universitätsklinikum Eppendorf gemacht. Die Welt der Kranken und die einer schreibenden Künstlerin spiegeln sich in ihrem Stück "Belvedere". Im "Kontraste"-Programm der Komödie Winterhuder Fährhaus feierte es am Wochenende seine erfolgreiche Uraufführung. Ana-Maria Bamberger fühlt sich im Schauspiel zu Hause. "Seit ich 14 bin, gehe ich ins Theater", erzählt sie. "Das hielt uns damals in Bukarest unter der Diktatur von Ceausescu am Leben." Dann entdeckte sie die Medizin für sich. Sie promovierte in Kiel und ging für zwei Jahre mit ihrem Mann Christoph - jetzt Leiter des Medizinischen PräventionsCentrums - nach Amerika. 1995 kam sie nach Hamburg, bekam fünf Jahre später ihre Tochter Alexandra. Ein Wendepunkt. "Danach habe ich mein Leben neu entdeckt", sagt die große, sportlich wirkende Frau mit dem offenen Blick. "Ich habe immer gespürt, dass mir das Schreiben gefehlt hat." Seitdem sind fünf Stücke entstanden, die von mehreren Theatern in Rumänien gespielt werden. "Das habe ich letztlich meiner Tochter zu verdanken."

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Ana-Maria Bamberger zu Besuch in Hermannstadt (Hermannstädter Zeitung 16.4.2010)

von Beatrice Ungar

Mit „Three O’Clock“ von Ana-Maria Bamberger hat die deutsche Abteilung des „Radu Stanca“-Nationaltheaters in Hermannstadt erstmals eine Welturaufführung eines Stückes einer Gegenwartsautorin herausgebracht und die Inszenierung von Liana Ceterchi mit Johanna Adam und Renate Müller-Nica in den beiden Hauptrollen ist bemerkenswert.

Nicht zur Premiere aber zu einer Vorstellung kam auch die Autorin aus Hamburg angereist. Die in Bukarest geborene Ana-Maria Bamberger studierte Medizin und ging 1991 mit einem Stipendium nach Deutschland, wo sie ihren Doktor machte und wo sie heute selbst Doktoranden betreut. Hier lernte sie ihren Gatten, Dr. Christoph Bamberger kennen. Nach einer gemeinsamen Zeit in den USA kehrten sie nach Deutschland zurück. Hier arbeiten sie am Universitätsklinikum Eppendorf. Er in der Prävention, sie in der Forschung und in der psychologischen Beratung. Im medizinischen Bereich, so Bamberger, habe sie sich zum Ziel gesetzt, die zelluläre Invasivität zu stoppen. ...

Zu der Inszenierung sagt sie: „Ich bin angenehm überrascht. Ich hätte mir kein besseres Team wünschen können für die Weltpremiere. Ich für mein Teil habe mich köstlich amüsiert und hoffe, dass sich auch das Publikum angesprochen fühlt.“ Inzwischen ist das Stück, in dem zwei Schwestern sich gegenseitig das Leben regelrecht zur Hölle machen, in rumänischer Sprache auch am „Davila“-Theater in Pitesti aufgeführt worden. In Deutschland hatte es am 12. März d. J. in München Premiere.

„Wenn ich Theater schreibe, bin ich ganz“, sagt Bamberger, die sich damit einen Jugendtraum erfüllte: Einmal ein Stück für die Grande Dame des rumänischen Theaters, Olga Tudorache, zu schreiben. 2004 ging dann der Traum in Erfüllung. Zunächst mit „Noiembrie“ („Im November“) und dann mit „Peste cu mazare“ (Marta, Marina) und 2008 „Das Porträt der Donna T.“ (Portretul Doamnei T), das auch in Buchform zweisprachig erschienen ist. Am 27. März hatte ihr Stück „Belvedere“ am Komödientheater Winterhuder Fährhaus in Hamburg Premiere, in der Reihe „Kontraste“. Die Hamburger Morgenpost kommentierte: „Ein intelligentes Theatervergnügen.“ Glückwunsch!

 

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Wie hohes Fieber (Bonner Generalanzeiger, 11.9.2008)

Von Maike Freund

Sie glaubt an das Schicksal - natürlich. Sonst würde sie heute vielleicht keine Theaterstücke schreiben, denn bei der Geburt ihrer Tochter Alexandra gab es diesen Moment, in dem ihre Atmung aussetzte. Ana-Maria Bamberger hat ihn für sich genutzt und sich gefragt: Was hätte mir in meinem Leben gefehlt, wenn es zu Ende gewesen wäre? Und die Antwort stellte sich unmittelbar ein: das Theater und das Schreiben.

Also setzte sich die heute 42-jährige Medizinerin, die an der Universität Hamburg in der Forschung arbeitet, hin und schrieb. Das vierte Stück nun. "Das Porträt der Donna T." - heute gibt es im Euro Theater Central die Premiere -, liegt ihr besonders am Herzen: Eine legendäre, alternde Schauspielerin probt in ihrem Appartment ihre Rollen, und "es scheint so, als habe sie für ihre Karriere die Einsamkeit in Kauf genommen." Bis sie ein junger Künstler besucht, der sie für einen geheimnisvollen Auftraggeber malen soll. Ihre Neugierde ist geweckt, fortan dreht sich im Stück alles um das Geheimnis des Auftraggebers.

In Donna T. steht - wie in Bambergers anderen Stücken auch - eine Frau im Mittelpunkt. Es ist eine Hommage an jene Grande Dame, die sie so bewundert: Olga Tudorache. Die Schauspielerin ging mit ihrem ersten Stück auf Tournee und war so begeistert, dass sie sich ein weiteres Stück aus ihrer Feder wünschte. Bamberger sieht das bescheidener: "Ich kann immer noch nicht verstehen, warum sie so von einem Anfänger fasziniert ist."

"Alle Geschichten sind wahr", ein Satz aus "Donna T." So sieht es Bamberger auch: "Alle Charaktere haben ein bisschen von mir." Aber das, was an Autobiografischem in ihrem Stücken fließe, sei "unbewusst". Und natürlich könne man auch einiges von Tudorache in Donna T. finden, vieles sei aber auch Fiktion. Der Beginn des Schreibens ist wie hohes Fieber: Bambergers Stücke entstehen im Kopf, dort wendet sie sie hin und her, manchmal dauert es Monate, bis sie komplett sind, ein bisschen ist sie dann wie in Trance. Das Schreiben aber dauert nur wenige Tage. "Es ist, als ob man ein Kreuzworträtsel in Gedanken löst, bevor man es aufschreibt." Ihre Stücke schreibt sie auf Rumänisch - ihrer Heimatsprache - und auf Deutsch. Aufgeregt ist sie nicht, wenn sie ihre Stücke auf der Bühne sieht: "Mein Job ist ja schon lange beendet. Jetzt sind die Schauspieler dran."

Natürlich hat sie sich immer einiges anders vorgestellt, als es auf der Bühne dargestellt wird. "Aber das ist ja das Spannende: Erst durch die Schauspieler werden die Traumfiguren lebendig". Wenn sie älter ist, möchte sie nur noch schreiben, denn das Schreiben ist menschlicher, ist weniger abstrakt als die Arbeit im Labor. Ihre Sorge aber ist, die Zeit zu vergeuden, das nicht mehr tun zu können, was ihr wichtig ist: Schreiben und Forschen. Also lebt sie zwei Leben. Das der Schriftstellerin und das der Wissenschaftlerin. Und ist sehr zufrieden.

 

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Sie schreibt Theaterstücke in Hamburg (Libertatea, 24.9.2006)

Von Raluca Damian

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